Offener Brief an die Veranstalter und Förderer der Dresdner JazzTage

Sehr geehrter Herr Forster

sehr geehrte Unterstützer und Förderer der Jazztage Dresden,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir – Romano Sumnal e.V. – die Selbstvertretung der Roma und Sinti in Sachsen sind über die Ereignisse rund um die Dresdner Jazztage bestürzt. Neben der Tatsache, das Sie – Herr Forster – Herrn Ganser einen offensichtlich antisemitischen Verschwörungstheoretiker und Historiker eingeladen haben ist bestürzend. Auch der Umgang mit den Hygieneregeln in Bezug auf die Covid 19 Pandemie ist besorgniserregend.

Uns Roma und Sinti in Sachsen betrifft aber die antiromaistische Veranstaltung „Paprikabaron statt Zigeunerbaron? Die Grenzen der Political Correctness“ besonders stark. 

Zigeuner“ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von uns als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma niemals selbst genannt. 

Der Titel ihrer Veranstaltung macht deutlich, dass es Ihnen aber nicht um eine respektvolle Auseinandersetzung mit dieser Fremdbezeichnung und der damit verbundenen Diskriminierung geht. Roma und Sinti haben sich niemals selbst so genannt. „Sinti und Roma“ ist unsere offizielle Bezeichnung in Deutschland, das ist ein wichtiges Ergebnis unserer Bürgerrechtsbewegung. Ihre Veranstaltung missachtet unseren Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Auch der Ankündigungstext auf der Homepage hinterlässt mehr Fragen als das er Antworten gibt.

Rassismus gegenüber Roma und Sinti, findet sich überall – Stereotype und Vorurteile gehören leider zum Alltag. Es gibt unendliche viele rassistische Klischees. Neben der Gewalt, die uns angetan wird, gehört auch das kitschige Bild vom Leben am Lagerfeuer mit Gitarre, von Freiheit und Vagabundieren zu den gefährlichen Vorurteilen gegen uns. Auch die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss bläst in dieses Horn. So ist auch die Musikgeschichte Teil von Diskriminierung. Diese Geschichte scheinen die Jazztage weiter zu schreiben anstatt sich wirklich demokratisch, differenziert und zeitgenössisch damit auseinander zu setzen. 

Daher fordern wir:

Kein Rassismus gegen Roma und Sinti  auch nicht im Jazz!

Unterstützung der Musiker der Minderheit!

Keine Podien für rechte, rassistische und antisemitische Stimmungsmache!

Gjulner Sejdi

1. Vorsitzender Romano Sumnal e.V.

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